Heimische Sträucher und Bäume für unsere Gärten – Verein Regionale Gehölzvermehrung (RGV)

Petra Nemec | 03.08.2022

Schmetterlingshecke, © RGV-Verein Regionale Gehölzvermehrung

Über den Saatgut- und Pflanzenhandel gelangen pro Jahr zehntausende Gehölze in die freie Natur Österreichs, deren Herkunft weit außerhalb des Landes oder sogar Europas liegt. Die Verwendung gebietsfremder Arten führt zu einer Verringerung der genetischen Variabilität. Genau das möchte der Verein Regionale Gehölzvermehrung vermeiden und schafft ein Angebot an heimischen und regionalen Wildgehölzen. Über 50 heimische Arten werden jährlich von der RGV vermehrt und wieder in der Herkunftsregion verwurzelt.

Wir haben nachgefragt bei Obmann Stv. Klaus Wanninger:

Warum sind Hecken bzw. Wildgehölze so wichtig für die Natur und Umwelt und was ist der Mehrwert einer regionsspezifischen Hecke?

Heimische Wildgehölze wie ein Schlehdorn sind echte Alleskönner. Ein einziger Schlehdorn liefert Nahrung und Lebensraum für über 100 Schmetterlingsarten sowie unzählige Wildbienen, Vögel und Säugetiere. Und natürlich beschenken uns Dirndl, Weingartenpfirsich oder Sal-Weide mit köstlichen Früchten für Marmeladen und Schnapserl, sowie Bau- und Bastelmaterial, spenden Schatten und zaubern wunderbare Blütenpracht in den Garten. Das können Pflanzen, die wie unsere RGV-Gehölze garantiert aus der eigenen Region stammen, am allerbesten. Nur sie haben den Vorteil jahrtausendelanger Anpassung an das regionale Klima, den Boden sowie die Tierwelt mit den wertvollen Bestäuberinsekten.

Klaus Wanninger © Purkerd

Als Service gibt es das „Heckentelefon“, wo auch fachkundige Beratung angeboten wird. Welche Anfragen landen häufig beim Telefon? Was war die ungewöhnlichste Anfrage?

Beim Heckentelefon gibt´s unter 0680 23 40 106 Topberatung von erfahrenem, freundlichem RGV-MitarbeiterInnen, die unsere regionalen Gehölze förmlich im Blut haben. Die häufigsten Fragen und Antworten drehen sich um Pflanzabstand, Pflegeschnitt sowie um die Fruchtverwertung und den Nutzen für Insekten. G´spaßig wird´s fast immer dann, wenn gefragt wird, ob unsere wurzelnackt gelieferten Pflanzen eigentlich auch Wurzeln haben. Die haben sie übrigens immer, wurzelnackt bedeutet nur, dass die Gehölze ohne Erde geliefert werden aber trotzdem super anwachsen.

Es gibt über 30 RGV BesammlerInnen, die jeden Herbst viele Früchte aus den RGV-Partnerbaumschulen sammeln, um damit Nachkommen zu ziehen. Wie läuft das organisatorisch ab und wird auch aus der freien Natur gesammelt?

Dirndlbesammlung, © RGV-Verein Regionale Gehölzvermehrung

Wir sammeln ausschließlich in der freien Natur und nur an Sträuchern und Bäumen, die nicht gepflanzt wurden, sondern wild wachsen. Jedes Jahr erstellen wir ein Sammelprogramm mit Arten und Mengen auf die Beine, die wir in jeder Region benötigen und besprechen das mit den 30 BesammlerInnen. Wenn die Früchte vollreif sind, schwärmen die „Eichkätzchen“ der RGV im ganzen Land aus, sammeln die Früchte und halten alle Besammlungen in einer Datenbank fest. Damit sind alle Arbeiten nachvollziehbar und wir können den KundInnen echte, heimische Qualität garantieren.

In Niederösterreich findet der Heckentag heuer am 5. November statt. Es gibt dazu Sortimentslisten und Abholstandorte. Welche Arten werden am NÖ Heckentag angeboten bzw. welche sind besonders beliebt/nachgefragt? Gibt es vor Ort auch Beratung zu Pflanzung und Pflege?

Heckenübergabe am Heckentag, © RGV-Verein Regionale Gehölzvermehrung

Am Heckentag können über 50 Arten bestellt und 2022 an über 10 Abholstandorten in Ostösterreich in Empfang genommen werden. Darunter sind echte Topraritäten wie seltene Speierlinge, Wildrosen und fix fertige Heckenpakete wie die tolle Sichtschutz- oder Klimahecke. Topberatung zu Pflanzung und Pflege mit Infomaterial gibt´s an den Abholstandorten natürlich auch.

Es gibt die Aktion Klima-Hecke, was ist das Besondere daran?

Mit der genialen Klimahecke hat man ein lebendiges Klimamessgerät im Garten. Einfach die Zeitpunkte von Blattaustrieb, Blüte oder Fruchtreife mit der Naturkalender-App aufschreiben und schon weiß man, wie sich der Klimawandel auf die Naturentwicklung im eigenen Garten auswirkt.

Welche Tipps würden Sie Interessierten geben, die einen kleinen Garten oder ein Stück Grünland ökologischer gestalten möchten?

Möglichst viele verschiedene RGV-Sträucher und Bäume setzen, dann hat man das ganze Jahr Freude daran und die Bestäuberinsekten finden lange was zu futtern. Und wenn der Garten kleiner ist, einfach am Heckentelefon oder im Webshop beraten lassen, welche Arten, wie unsere Weiden, besonders gut zurückgeschnitten werden können oder wie die Bibernell-Rose von sich kleinwüchsiger sind und bleiben.

Kurz nachgefragt:

Welche Hecke haben Sie am liebsten?

Die geniale Klimahecke

Lieber in der Stadt oder am Land leben?

Am liebsten am Stadtrand 😊

Was war ihr bisher prägendster Job?

Ich bin seit 25 Jahren Gesellschafter des Landschaftsplanungsbüros Büro LACON und fast genauso lang im Vorstand der RGV – beides ist großartig

Was würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

RGV Wildgehölz-Monografien, Frau und Katzen

Dieses Talent würde man Ihnen nicht zutrauen…

Gedankenleser

Das Buch, das Sie zuletzt gelesen haben?

Bauer und Bobo: Wie aus Wut Freundschaft wurde (Florian Klenk)

Auf welche 3 Dinge könnten Sie gut verzichten?

Menschgemachter Klimawandel, SUV und Skirennen

Wo ist Ihr Lieblingsplatz in der Natur?

Energetischer Wasserfall, egal welcher

Link:

www.regionale-gehoelze.at

www.heckentag.at

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