Mit erneuerbarer Energie in eine enkeltaugliche Zukunft

Paris-Baden-Familien im Klimaschutz-Selbstversuch | 09.11.2021

Eselswanderung, © Jaksch-Fliegenschnee

Eine ganz normale Familie in Baden

Wir sind eine dreiköpfige Familie und seit jeher ohne Auto und glücklich darüber. Radfahren, zu Fuß gehen und die öffentlichen Verkehrsmittel ermöglichen uns jedwede Beweglichkeit, die wir uns wünschen. Wir waren mit dem Zug in Polen, damals war unsere Tochter drei Jahre alt. Mit einem Esel sind wir in Frankreich und Italien gewandert. Urlaub ohne eigenes Auto ist spannend und lustig und das ganz ohne stundenlange Autobahnstaus. Bei unseren Wanderungen profitieren wir von der öffentlichen Anreise, denn wir müssen nie zum Ausgangsort zurück, und sind bei der Routenplanung viel flexibler.

Unser Strom zu Hause wird von erneuerbaren Energien erzeugt und auch bei der Heizung konnten wir unsere Vermieterin überzeugen, dass die Gasthermen gegen die vor dem Haus vorbeilaufende Biomassefernwärme getauscht wurden.

Beim Einkauf achten wir auf die biologische, regionale und faire Produktion und versuchen so gut wie möglich alles am Markt einzukaufen, um möglichst keinen unnötigen Verpackungsmüll zu erzeugen. Unsere Kleidung wurde zu einem großen Teil bereits von anderen Menschen vor uns getragen, neue Textilien werden vor allem im Weltladen (aus biologischer Baumwolle und fair produziert) gekauft.

Warum haben wir dann bei der Paris-Baden-Challenge mitgemacht?

Wir wollten uns ansehen, wo wir unsere klimatechnischen blinden Flecken haben. Darüber hinaus war und ist der Austausch mit Gleichgesinnten eine Motivation und hilfreich am Thema dranzubleiben. Wir stellten während der Challenge auf eine vegane Ernährung um und fanden, dass einzelne Gerichte mit veganer Rezeptur sogar besser schmecken.

Überrascht waren wir von dem hohen Klimabeitrag von Reis aus Nassanbau und den doch recht niedrigen Beitrag von eingeschifften Südfrüchten. Alles in Allem wurden wir aber darin bestätigt, dass die individuellen Möglichkeiten das Klima zu schützen bei weitem nicht ausreichen. Ein großer Teil unseres Klimaeintrags wird nämlich durch Dinge verursacht, die wir als Individuum gar nicht beeinflussen können. Ohne eine klare und ambitionierte Klimapolitik ist Klimaschutz nicht zu machen.

Vegane Köstlichkeiten, © Jaksch-Fliegenschnee

Ein deutliches Ergebnis – die Politik muss endlich Klimaschutz betreiben

Deutlich wird unsere Ohnmacht beim Klimaschutz zum Beispiel bei der Energieversorgung. Wir beziehen seit jeher ausschließlich Ökostrom und heizen mit Fernwärme aus Biomasse. Damit in Österreich die Umstellung auf 100 Prozent erneuerbare Energien schneller vorankommt, haben wir unser Geld auch in Firmen investiert, die in Österreich Windräder, Solaranlagen und Wasserkraftwerke errichten. Viel mehr können wir als Familie gar nicht tun, und dennoch reicht das für den Klimaschutz und die Energiewende nicht annähernd aus.

Österreich importiert seit zwei Jahrzehnten im Schnitt 10 Prozent Atom- und Kohlestrom aus Deutschland und Tschechien, weil in Österreich zu wenig Strom erzeugt wird und die österreichische Politik sich mit dem Energiesparen seit Jahrzehnten nicht beschäftigen will. Noch immer erzeugen wir in Österreich knapp ein Fünftel unserer Stromerzeugung aus fossilen Energien. Auch dies muss so rasch wie möglich beendet werden. Ohne eine klare politische Zielsetzung, dass die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien kommen soll, gefolgt mit einer klaren Umsetzungsstrategie und gesetzlichen Maßnahmen, die die Erreichung der Ziele auch sicherstellen, ist die Energiewende nicht erreichbar.

Ein großer Teil unseres privaten CO2-Ausstoßes hängt von der Politik ab, und der andere Teil würde sich drastisch reduzieren, wenn die Politik endlich die nötigen Maßnahmen, die eine Klimakrise gebietet, ergreifen. Die Klimakrise kann nicht ohne ordnungspolitische Maßnahmen gemeistert werden. Es ist schon skurril, dass ich beim Hausbau einen Garagenplatz errichten muss, auch wenn ich kein Auto besitze, eine verpflichtende Installation von Sonnenstromanlagen auf den Hausdächern wird aber von der Politik vehement als unmöglichen Eingriff in das Privatleben abgelehnt. Was werden unsere Kinder und Enkel über solche Entscheidungen einmal denken, wenn sie in einer durch den Klimawandel zerstörten Welt leben. Es ist höchst an der Zeit, dass die Politik endlich ihre Verantwortung wahrnimmt und eine Politik umsetzt, die den Klimawandel aufhält und den Generationen nach uns auch noch ein lebenswertes Leben ermöglicht.

Martin und Gerti Jaksch-Fliegenschnee

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