Nachhaltig hamstern, geht das?

Natalie Oberhollenzer | 28.04.2020

Anschaulicher Hamsterkauf
Mann beim Einkaufen vor vollen Regalen (c) Pexels

Zwanzig Packungen Klopapier, zehn Kilo Spaghetti und drei Paletten Desinfektionsmittel: Was macht Sinn und wenn ja wieviel davon?

Wenn es um den Einkauf geht haben wir in letzter Zeit viel von einem Thema gehört, nämlich hamstern. Als es im März zu Ausgangsbeschränkungen kam und kurz zuvor Fake News die Runde machten, denen zufolge Lebensmittelläden bald dicht machen würden, kam es zu bizarren Situationen in den Geschäften. Menschen kauften plötzlich die Filialen leer. Stritten sich um Produkte. Trugen dick bepackte Einkaufswagerl mit Dingen des täglichen Gebrauchs zu ihren Autos und stopften diese bis obenhin voll. Klopapier war dabei eines der begehrtesten Produkte. Es wurde in rauen Mengen nach Hause getragen wo es teils aus Platzmangel auf Balkonen gestapelt wurde.

Wieso eigentlich Klopapier? Das habe ich mich damals immer wieder gefragt. Offenbar besteht hierzulande eine Urangst vor unsauberen Geschäften.

Egal. Jedenfalls wurde uns in Folge schnell versichert, dass derlei Vorratskäufe unnötig sind. Die Läden blieben offen und das mehr oder weniger mit dem gewohnten Sortiment (bis auf einige Tage, an denen logistisch bedingt nicht schnell genug nachgeschlichtet werden konnte).

Dama horten!

Die meisten von uns dürften die Zeit zum Anlass genommen haben zu hinterfragen, was man sinnvollerweise zu Hause horten sollte. Spätestens jetzt wissen wir: Stets mehr als ein halbes Röllchen Klopapier zuhause zu haben ist sicher nicht verkehrt. Aber was noch? Als erstes fiel mir Dosenfutter ein. Aber bis auf Mais, Bohnen oder geschälten Tomaten bin ich kein Freund davon. Wenn ich nun anfinge Fertiggulasch oder ähnliches zu kaufen würde es wenig nützen. Mir graust davor, ergo würde ich es nicht essen und dann wohl irgendwann wegschmeißen. Nudeln sind natürlich immer ein heißer Tipp. Halten ewig und man wird ihnen nur schwerlich überdrüssig. Dann war ich mit meinem Latein aber auch schon am Ende.

Eine Recherche half.

Der NÖ Zivilschutzverband rät dazu, sich grundsätzlich für alle Fälle einen gewissen Vorrat an Lebensmitteln anzulegen. Denn man weiß ja nie was kommt. Reichen sollte so eine Reserve in etwa für zwei Wochen. Pro Person/Erwachsene gehören demnach dazu:

  • Mehl 1 kg
  • Reis 1 kg
  • Teigwaren ½ kg
  • Zucker 1kg
  • Brot 1 kg
  • Aufbackweckerl o. ä. nach Bedarf
  • Dosenaufstrich 2 Dosen
  • Fischkonserven 2 Dosen
  • Kartoffeln 2 kg
  • Salate im Glas 2 Gläser
  • Milch (länger haltbar) 1 – 2 Liter
  • Butter ¼ kg
  • Speiseöl ½ Liter
  • Eier 10 Stk
  • Marmelade, Honig je 1 Glas
  • Fruchtsaft ca. ½ Liter
  • Verdünnungssaft 1 Flasche
  • Kaffee, Tee, Kakao nach Bedarf
  • WC-Papier 2 Rollen

Weitere Getränke zu horten ist nicht nötig, da man hierzulande Leitungswasser für gewöhnlich trinken kann. Das wäre nur nötig, wenn es eine Katastrophe geben würde, die auch die Wasserversorgung betreffen würde.

Wer’s genau wissen will

Das deutsche Landwirtschaftsministerium bietet sogar einen eigenen Vorratskalkulator, indem man die Reserven für bis zu 28 Tage für die eigene Haushaltsgröße berechnen kann:

https://www.ernaehrungsvorsorge.de/private-vorsorge/notvorrat/vorratskalkulator/

Aber, bei all dem Verständnis zum (vor)sorgenvollen Einkauf: Lauter Quatsch ins Wagerl zu werfen, nur weil man glaubt, dass es morgen nichts mehr gibt, kann auch nicht Sinn der Sache sein. Ebenso wenig sollte man Ware kaufen, die man sonst auch nicht mag oder isst. Oder allzu viel schnell verderbliche Lebensmitteln. Der Erwerb von zehn Kilo Erdbeeren für einen zweiköpfigen Haushalt ist entweder als schwere Panikhandlung einzuordnen oder als grob fahrlässigen Fehlkauf eines Erbsenhirns. Da kann etwas noch so viel „in Aktion“ sein. Wir wissen alle, dass wir nicht tagelang dasselbe essen. Irgendwann hängt es uns beim Hals raus und dann landet es im Müll.

Vielleicht zeigt uns diese spezielle aktuelle Zeit ja auch, wie wenig wir wirklich brauchen – nicht nur was Lebensmittel betrifft, sondern auch darüber hinaus.

Links:

Checkliste des NÖ Zivilschutzverbandes

wir-leben-nachhaltig.at: Lebensmittelvorräte richtig lagern

Kommentare

  • Avatar

    Vitali

    04.05.2020, 8:34

    Stimmt – es sollte sich was ändern…
    Die auflistung vom nö zivilschutz find ich gut aber es fehlt das …

    Antworten

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