Nachgefragt bei: Edith Steffan, BEd

Christa Ruspeckhofer | 13.09.2018

In unserer neuen Rubrik Nachgefragt, möchten wir euch in einem kurzen Format wichtige Fragestellungen unserer Nachhaltigkeits-Welt vorstellen und unter aktuellen Gesichtspunkten beantworten.

Passend zur Europäischen Mobilitätswoche fragen wir uns, wie wir uns und unsere Mitmenschen dazu bringen können vermehrt AKTIV MOBIL zu sein, also mehr Wege zu Fuß und mit dem Rad zu erledigen?

Denn um die Klimaziele zu erreichen, müssen wir die Treibhausgas-Emissionen unserer Mobilität bis zum Jahr 2050 auf null reduzieren. Schaut man sich derzeit aber die Statistiken des Verkehrssektors an, steigen die Emissionen in diesem Bereich weiter an.

Nachgefragt haben wir bei Edith Steffan, BEd, Pädagogin, Buchautorin und Referentin an den Pädagogischen Hochschulen Österreichs. Frau Steffan setzt sich schon seit Jahren für mehr Bewegung in der Schule ein.

Frau Steffan, in Ihren Vorträgen geht es u.a. auch um die Aussage, dass Bewegung klug macht. Worauf begründet sich diese Aussage?

Der Spruch mens sana in corpore sano– „ein gesunder Geist in einem gesunden Körper“ aus  der Römerzeit begleitet mich seit Kindertagen und hat immer darauf verwiesen, dass Bewegung gesund ist.  Aktuellste Studien namhafter GehirnforscherInnen  zeigen auf, dass Bewegung für unser Gehirn, insbesondere für unser Gedächtnis, in jedem Lebensalter wichtig ist.

Prof. Dr. Manuela Macedonia von der Johannes Kepler Universität Linz schreibt, dass der Nervenwachstumsfaktor von großer Bedeutung  für Lernprozesse ist. Es handelt  sich hierbei um ein Eiweiß, das verantwortlich ist, dass Axone wachsen bzw. in die Nähe von Dendriten und Synapsen kommen und frische Nervenzellen produzieren. Beim Sport, also bei Bewegung, findet eine erhöhte Ausschüttung des Nervenwachstumsfaktors statt und es werden frische Nervenzellen gebildet. Diese Nervenzellen  sind besonders geeignet für die Aufnahme von neuen Lerninhalten.

So gesehen ist jede Art der Bewegung für unsere Schulkinder die beste „Gehirnnahrung“. Der Tag beginnt mit dem Gang zur Schule, eine überaus gute Voraussetzung, um  kognitive Leistungsfähigkeit  zu verbessern.

„In der Universität of Illinois in den USA wurden zu Forschungszwecken zehnjährige Kinder in zwei Gruppen geteilt und zum Konzentrationstest gebeten. Jene Gruppe, die zuvor 20 Minuten zu Fuß gegangen war, schnitt wesentlich besser ab als die „ausgeruhten Kinder“ – nicht nur bei der Konzentration, sondern auch bei der Überprüfung des Lernstoffes“ (OÖ Nachrichten v. 29.8.2018)

Wie schaffen wir es mehr Alltagswege zu Fuß zu gehen? Gerade der Schulweg wäre eine gute Möglichkeit den Tag mit Bewegung zu starten. Was motiviert Eltern und Kinder besonders?

Die oben erwähnten Ergebnisse – wissenschaftlich fundiert – sollten Eltern hellhörig werden lassen. Wenn ich das Beste für mein Kind will, fange ich damit morgens an. Es ist kein finanzieller Aufwand, nur eine kleine Überwindung von beiden Seiten.

Wenn ich dann feststelle, dass mein Kind durch das Gehen zur Schule auch seine Umgebung bewusster wahrnimmt und sich in der Folge seine Raumorientierung verbessert, weil es konkret erlebt, was rechts, links, oben und unten ist und rundum im Umfeld so alles passiert. Und, dass der Weg an sich bereits Kondition und  Konzentration erfordert  (Aufmerksamkeit betreffend Verkehr, richtigen Weg finden, …) und mein Kind dadurch auch eine gewisse Selbständigkeit erlangt, kann ich das als Elternteil nur unterstützen.

Wichtig für Eltern zu wissen ist auch, dass Bewegung in jeder Form die verschiedensten Wahrnehmungsbereiche  der Kinder fördert. Gut trainierte Wahrnehmungskanäle der Kinder sind ein wunderbares Fundament für das Lernen und Merken in der Schule.

Die Vorteile von Bewegung sprechen für sich. Hält Bewegung auch im Alter fit und geistig rege? Wo würden Sie ansetzen, um uns Menschen dazu zu bringen, unser Mobilitätsverhalten wirklich zu ändern?

Das ist eine sehr schwierige Frage, da ich mit dieser Altersklasse nicht arbeite. Die von mir gelesenen Studien weisen aber eindeutig auf die positiven Eigenschaften von Bewegung im Alter hin.

Ich glaube, dass die positiven Bewegungserfahrungen in der Kindheit ein positives Mobilitätsverhalten in späteren Jahren bewirken können. Für mich und mein Alter kann ich sagen, dass ich immer wieder Bewegung einfordern muss, ja öfters sogar im Tagesablauf ganz konkret festsetzen muss, damit ich keine meiner gemütlichen Ausreden finde, wie z.B. „keine Zeit“, oder „ohnedies heute schon viele Treppen gestiegen“, etc.. Da ich mich immer wieder mit neuesten Untersuchungsergebnissen betreffend Gehirn und Gedächtnisleistungen beschäftige, habe ich für mich das Tanzen gewählt – denn Tanzen ist Bewegung verbunden mit einer kleinen Gedächtnisleistung. Ich glaube das fordert und fördert mich.  Im schulischen Bereich bin ich bestrebt den Kindern und den Eltern ein gutes Vorbild zu sein und möglichst viele Wege zu Fuß zurück zu legen und vor allem viele Bewegungsangebote im Unterricht einzubauen. Wichtig ist auch zu wissen, dass Kinder das Verhalten von Eltern und Großeltern spiegeln, vielleicht mag das ein Ansporn sein, so zu einer guten Zukunft der Kinder beizutragen.

Zum Nachlesen:

Dr. Manuela Macedonia: Beweg dich! Und dein Gehirn sagt Danke – Wie wir schlauer werden, besser denken und uns vor Demenz schützen  https://www.macedonia.at/beweg-dich/buch/

Kommentare

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    Alfred Mücke

    19.09.2018, 20:23

    Klingt ja alles recht gut und schön. Glauben Sie wirklich, dass sich der Großteil der Eltern mit wissenschaftlichen Studien beschäftigt und daraus positive Schlüsse zieht. Ein großes Übel ist die Freifahrt mit dem Schulbus für Kinder ab dem 10. Lebensjahr. Oder anders ausgedrückt, VS Kinder, sofern sie einen weiten Schulweg haben, sollen geführt werden. Aber bei Schülern ab der 5. Schulstufe sollten andere Maßstäbe angelegt. werden.
    Dazu kommt, dass es Bürgermeister gibt, die zu feig sind, die Straße vor der Schule für einen bestimmten Zeitraum für den Verkehr zu sperren. Denn dann müssten die Eltern auf einen anderen Halteplatz als vor der Schule ausweichen und die „armen“ Kinder hätten wenigsten ein paar Schritte zu absolvieren.
    Schließlich noch die Ausrede der Eltern, der Fußweg ist ja wegen des dichten Verkehrsaufkommens vor der Schule oder am Weg zur Schule zu gefährlich, da beißt sich die Katze in den Schwanz. Noch direkter: gegen Dummheit ist leider noch kein Kräutlein gewachsen und Adipositas ist im Vormarsch.

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