Fragen an Nikolaus Eisserer, GF Seilerei Eisserer

Daniela Capano | 28.08.2018

Im Juni 2018 stand es fest: Die Seilerei Eisserer gewann mit ihrer Aktion „Gewinnung und Aufbereitung unserer regionalen Textilfaser“ das Online-Voting der Aktionstage Nachhaltigkeit in Niederösterreich.

Bei den von der Seilerei Eisserer angebotenen Veranstaltungen war es den BesucherInnen während der Aktionstage Nachhaltigkeit im Zeitraum von 22. Mai bis 8. Juni 2018 möglich, den gesamten Herstellungsprozess von Hanffasern kennenzulernen. Dabei konnten die TeilnehmerInnen die abgeernteten und gerösteten Hanfstängel schälen, die Faserbündeln quetschen und mit der Hechel und der Karde selbst Hanffasern gewinnen, die als spinnbares Vlies mit dem Spinnrad zu Garn weiterverarbeitet werden konnten. Die gesamte Erzeugungsstraße von Nikolaus Eisserer funktioniert ohne Strom, da alle Geräte per Hand und Fuß bedienbar sind.

Herr Eisserer, Sie haben das erste Mal an den Aktionstagen Nachhaltigkeit teilgenommen. Was war ihre Motivation mitzumachen?

Wir, eine Gruppe von Menschen aus unserer Umgebung, beschäftigen uns schon seit Jahren mit der Gewinnung von Hanffasern und denken darüber nach, wie wir aus diesen Fasern, die bei uns wachsen, Textilien für uns erzeugen können. Seit Oktober 2017 bekommen wir unsere Hanffasern so hin, dass wir weiches Garn daraus spinnen.  Die Idee ist geboren, da in der Hanfwelt von Herrn Riegler- Nurscher hier im Mostviertel Jahr für Jahr viele Hektar Hanfstängel übrigbleiben und es gleichzeitig das Problem gibt, dass wir nicht mehr wissen, woher die Fasern für die Kleidung kommen und wir keine Idee mehr haben, wer unsere Kleidung erzeugt.

Karin Fuchsluger, Bio-Bäuerin aus dem Mostviertel, hat im wir-leben-nachhaltig Newsletter von den Aktionstagen Nachhaltigkeit gelesen und uns auf die Idee gebracht, auch drei Veranstaltungen anzubieten, um den Menschen zu zeigen, wie aus einer Pflanze Fasern geerntet, und diese dann zu Garn werden, mit dem Kleidung produziert werden kann. Wir möchten dafür ein Bewusstsein schaffen.

Interview mit Nikolaus Eisserer

Die BesucherInnen ihrer drei Veranstaltungen hatten die Gelegenheit selbst Hand anzulegen und ihre teilweise selbst gebauten Geräte zu bedienen. Was genau durften Sie machen? Welche Maschinen stehen dafür zur Verfügung? War allen TeilnehmerInnen klar, wie aus der Pflanze Hanf eine Textilfaser zur Weiterverarbeitung wird?

Wir haben bei uns in der Seilerei die Möglichkeit, den gesamten Produktionsprozess der Faser – vom Stängel bis zum Garn – händisch vorzuführen. Jede/r TeilnehmerIn durfte das tun, worauf er/sie Lust hatte. Das Wichtige bei unserer Fasergewinnung ist, dass wir bei der Fasergewinnung die Stängel nicht brecheln, sondern händisch abschälen. Das kann jeder nachmachen, weil es bei gut vorbereiteten Stängeln sehr leicht zum Abschälen geht. In weiterer Folge wird die Faser mit einer Quetsche zerdrückt, damit sie weich wird. Die Quetsche habe ich nach einer Idee vom Textilmuseum in Haslach an der Mühl selbst nachgebaut. Sehr großen Anklang findet bei diesen Veranstaltungen unsere Karde, eine gröbere Wollkarde. Damit wird die Faser mit einer Kurbel gekämmt, also kardiert, damit die Fasern alle in dieselbe Richtung gebracht werden. Aus diesem Vlies kann man mit dem Spinnrad das Hanfgarn spinnen.

Selbst gebaute Quetsche

Hechel

Sie arbeiten täglich mit einem regionalen nachwachsenden Rohstoff, dem Hanf. In der Seilerei verkaufen Sie Kleidung aus Hanftextilien. Wo ist Ihnen in ihrem Alltag die Nachhaltigkeit noch wichtig?

Ich merke, dass neue Wege beschritten werden müssen. Man hört so viel vom Klima, dem Plastikmüll etc.. Ich bin hier mit der Seilerei an einer Schnittstelle, wo Veränderung möglich ist und wo ich diese auch forcieren möchte. Wo es mir noch ein Anliegen ist, ist bei der Ernährung. Wir haben in der Nähe einen Gemüsebauer, bei dem man sich das Gemüse selbst am Feld ernten kann. Diese brauche ich wirklich nicht aus Spanien, wenn ich sie vor der Haustüre habe. Sie sind ja schließlich mit denselben Bedingungen aufgewachsen wie wir selbst. Ich habe mir jetzt auch ein Elektroauto angeschafft, damit ich meine Wege in Zukunft etwas umweltfreundlicher zurücklegen kann.

Interview mit Nikolaus Eisserer

Kurz nachgefragt

Die Seilerei ist seit Generationen ein traditioneller Handwerksbetrieb. Gibt es einen Spruch, den Ihnen ihr Großvater mitgegeben hat?

„Wer net bandert, kann net hausen“.

Thema des letzten Tischgesprächs?

Für mich ist derzeit das Weiterbringen der Textilerzeugung eine ganz wichtige Sache und somit immer Thema. Damit gehe ich meiner Familie derzeit schwerstens auf die Nerven :-).

Feueralarm: Was retten Sie mit zwei Händen?

Meine Frau, meine Familie

Welche Sportart verfolgen Sie im Fernsehen oder auf der Tribüne?

American Football

Ich wäre gerne für einen Tag…

…auf einem Berg.

Diesen Knoten muss Jede/r beherrschen?

Den Holzklank. Er ist kein klassischer Knoten sondern eine Verschlingung, die ohne das Seil zu beschädigen  ganz fest hält, aber nicht dauerhaft, sondern nur solange man es möchte. Wenn der Holzklank entlastet wird, lässt er sich ganz leicht lösen

Apfel oder Birne?

Ich mag die Abwechslung – einmal so, einmal so.

Ihre liebste Urlaubserinnerung?

Der Palmenstrand. Da war ich schon lange nicht mehr, aber die unbekümmerte Lockerheit, die ich damals erlebte, ist eine schöne Erinnerung

Kommentare

  • Avatar

    Ingrid Ruzicka

    02.09.2018, 20:19

    Kommentar Schön, dass es solche Betriebe gibt! Wenn ich einen Tag zur freien Verfügung hätte, würde ich nach Amstetten fahren …

    danke für euer Engagement

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