Lehmputz selbst verputzt

Tino Blondiau | 22.08.2018

© T. Blondiau

Das Thema Lehmbau fasziniert mich schon seit einigen Jahren, und mit diesem Blogbeitrag möchte ich ein paar praktische Tipps und meine Erfahrungen zum Thema Lehmputz mit euch teilen.

Ich war vom Material sofort angetan, weil Lehm keine Hautreizungen bei der Verarbeitung verursacht. Jeder der schon mit Kalk bzw. Zementputz gearbeitet hat weiß, wie sehr die Hände austrocknen und spröde werden, vor allem wenn man keine Handschuhe verwendet.

Leider kann man Lehm nicht im Baumarkt kaufen, und muss daher bestellt werden. Um Transportkosten zu sparen hab ich gleich einige Tonnen bestellt und in meiner Garage geparkt. Lieber ein bisschen mehr bestellen, als ein zweites Mal und dann doppelt für den Transport bezahlen – spart Geld und schont die Umwelt.

Fertigen Lehmputz gibt es in der Regel als Grob-, Universal- und Feinputz. Die Verarbeitung ist mir bei allen drei Putzarten leicht gefallen. Persönlich gefällt mir die Oberfläche des Feinputzes am besten, da er eine ganz feine sandige Struktur hat. Wenn euch eine eher glatte Oberfläche gefällt, dann Feinputz nehmen, sonst Universalputz mit einer etwas gröberen Struktur.

Lehmputz anrühren

Die Putze können von Hand oder Maschinen angerührt werden. Ich habe sowohl von Hand, als auch mit der Mischmaschine den Putz angerührt. Bei großen Mengen ist eine Mischmaschine oder ein Zwangsmischer zu empfehlen, bei kleineren Mengen kann mit einer Bohrmaschine und Rühraufsatz gearbeitet werden. Die fertigen Putzmischungen müssen nur noch mit Wasser angerührt werden (Rührzeit ca. 2 Minuten). Ich habe nach mehrmaligen Versuchen festgestellt, dass der Putz die ideale Konsistenz hat, wenn er weder Klumpen bildet noch so dünn ist, dass er von der Kelle runter läuft. Was mir besonders gut am Lehm gefällt ist, dass das Material wiederverwendet werden kann. Solltet ihr zu viel angerührt haben und euch etwas übrig bleiben, einfach aufheben und beim nächsten Mal wiederverwenden.

Lehmputz wird angerührt

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Mehrlagig verputzen

Um Risse im Putz zu vermeiden sollte Lehmputz in mindestens zwei Lagen verputzt werden. Mit der zweiten Schicht habe ich begonnen, sobald die erste Lage getrocknet ist. Bei Universalputz werden beide Schichten mit demselben Putz verarbeitet. Der Vorteil ist, dass man nur ein Material kaufen muss. Wird mit Grob- und Feinputz gearbeitet, muss zuerst Grobputz aufgebracht und getrocknet werden und dann wird Feinputz in wenigen Millimetern drüber geputzt.

Lehmputz wird mehrfach aufgetragen

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Armierung verwenden

Eine Armierung ist ein Gitter, das in den Putz eingearbeitet wird, um die Zugspannung zu erhöhen und Risse zu vermeiden. Armierungen müssen immer bei Plattenwerkstoffen oder bei wechselndem Untergrund (Ziegelwand und Holzdecke) verwendet werden. Sonst können Risse an den Stößen der Platten oder am Übergang zwischen den unterschiedlichen Baumaterialien entstehen. Ich habe sowohl auf Ziegel als auch auf Holzfaserplatten verputzt. Bei den Holzfaserplatten habe ich eine Armierung verwendet und bei den Ziegelwänden habe ich sie weggelassen. Es sind nach mehreren Monaten noch immer keine Risse entstanden.

Armierung

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Mein Fazit

Lehm ist ein super Material. Es lässt sich leicht verarbeiten und ist für Beginner ideal. Wenn euch euer Ergebnis nicht gefällt, einfach nass machen und drüber arbeiten. Falls beim Trocknen des Putzes Risse entstanden sein sollten, wieder anfeuchten und mit einem Schwammbrett erneut verreiben. Das ist das Tolle am Lehm, er kann unendlich oft wiederverwendet werden.

Ich hab schon mehr als die Hälfte meiner Innenräume mit Lehm verputzt und eines ist mir beim Arbeiten klar geworden. Ein anderer Putz kommt mir nicht ins Haus.

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