Tauschen und Tanzen

Daniela Capano | 09.01.2018

Die Feierlichkeiten sind vorbei. Das eine oder andere Geschenk traf nicht ganz den richtigen Geschmack oder wird nicht gebraucht… Das kann passieren! Jährlich werden deshalb nach Weihnachten und Neujahr die Geschäfte gestürmt, um Kleidung, Schuhe, CDs/DVDs usw. umzutauschen.

Eine weitere Möglichkeit, nicht mehr gebrauchte Dinge auszutauschen oder endlich mal etwas Platz in Kleiderschrank, Wohnung, Keller zu schaffen sind Tauschmärkte. Solche Initiativen gibt es in den letzten Jahren immer mehr und boomen in größeren und kleineren Städten, ganz besonders bei uns nachhaltigen EinkäuferInnen 😉

Zu Gast am Sonnenmarkt-Tauschmarkt

Noch im vergangenen Jahr (klingt jetzt länger her als es ist!) besuchte ich Sonja, die schon seit zwei Jahren mit dem Kunst- und Kulturkollektiv SunThing im Das WERK in Wien alle 3 Monate Tauschpartys organisiert. Dieses Mal mit dabei bei der Organisation des Tauschmarkts waren Birgit, Maria und Axel.

Das Besondere an ihren Tauschpartys: Anschließend wird getanzt! So veranstaltet SunThing direkt im Anschluss an ihrem Tauschmarkt auch eine ihrer kreativen Partys. Und währenddessen bekam Jung-DJ Aenias die Chance, sein Können abseits der spätabendlichen Clubszene unter Beweis zu stellen.

Foto: Tauschparty mit DJ, © D. Capano, eNu

Tauschparty mit DJ

10 alte Stücke für 10 neue Stücke

Getauscht werden konnten Kleidung, Schuhe, Accessoires wie Tücher, Schmuck und Co. aber auch Bücher, CDs/DVDs, kleine Elektrogeräte und einfach alles was noch funktioniert bzw. wieder verwertet werden kann. Auch nicht Materielles, wie Gedichte, Sprüche oder andere Talente wurden bei ihren Tauschmärkten schon geteilt, erzählte mir Sonja. Und so funktioniert es: Pro mitgebrachtes Stück bekommst man am Eingang einen Stempel auf deine Tauschkarte und darfst dieselbe Anzahl an neuen Stücken auch wieder mitnehmen. Es fließt kein Geld, auch nicht bei denen, die mithelfen. Man darf sich aber natürlich auch Sachen mitnehmen, die man noch brauchen kann.

Meine Tauschkarte hat sich an diesem frühen Abend auch gefüllt und ich bin mit neuen Lieblingsstücken nach Hause gegangen.

Foto: Tauschparty mit DJ, © D. Capano, eNu

Tauschkarte

Entstanden sind die Tauschpartys übrigens, weil das SunThing – Kunst- und Kulturkollektiv nicht nur „normale“ Partys organisieren wollte, sondern dafür auch besonders kreative Dekorationen und Installationen kreiert. Und diese brauchen „Bastelmaterialien“. Schon beim Tauschmarkt selber konnte man die Lichtinstallationen von Martin und Jesus bewundern, für welche in mühevoller Kleinstarbeit über 95 LEDs einzeln aufgeklebt und verlötet wurden, damit Musik und Licht, mit einer eigenen Software gesteuert, perfekt harmoniert.

Sonja, und wieso macht ihr das?

Angefangen hat es im eigenen Freundeskreis. Jetzt zieht es weitere Kreise. Es geht ihnen um Ressourcenschonung und dass man anderen eine Freude machen kann mit Sachen, die man selbst nicht mehr braucht. Dem Kollektiv ist es dabei auch wichtig, keine klassischen Locations zu nutzen, sondern Orten andere Nutzungen zu geben, wie hier im Nachtlokal, welches für den Tauschmarkt schon früher die Türen auch für eine andere Zielgruppe öffnet.

Foto: Tauschparty mit DJ, © D. Capano, eNu

„Es geht uns um Momente, die wir teilen und nicht nur um Sachen“ – schöner kann man es gar nicht sagen 🙂

Und welche Tipps gibst du uns für unsere eigenen Tauschmärkte?

Foto: Tauschparty mit DJ, © D. Capano, eNu

Tauschparty

Zuerst mal dranbleiben und mehrfach veranstalten. Es dauert etwas bis sich ein Tauschmarkt rumspricht und zu funktionieren beginnt. Ganz besonders gut klappt es, wenn man Synergien nutzt und z.B. den Tauschmarkt an eine Party anhängt. Denn Öffentlichkeitsarbeit ist auch hier alles!

Und ganz praktisch gedacht: Viele Kleiderstangen und Kleiderhacken!

Kommentare

  • Karl Wagner

    13.01.2018, 22:54

    Viele afrikanische Staaten verkaufen ihre Baumwolle für immer weniger Geld, nur um sie dann in Form von Hilfslieferungen von Caritas, Humana usw. als ausgetragene Kleidung zurück zu kriegen. Das behindert die Entstehung eigener Textilindustrien und vergrößert die Probleme dort, statt sie zu verringern. Afrika wehrt sich bereits. Ab 2018 dürfen beispielsweise keine Altkleider mehr in die Ostafrikanische Gemeinschaft exportiert werden. Für Ghana, Äthiopien und Ägypten gilt das bereits länger. Ich finde daher solche Tauschpartys und Tauschmärkte extrem nützlich, idealerweise verbunden mit maßvollem Einkauf und damit maßvollem Verbrauch von Ressourcen.

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