Ordnung ist das halbe (nachhaltige) Leben

Barbara Haslauer | 06.06.2017

Foto: Werkzeuge ordentllich aufbewahren, © B. Haslauer
Werkzeuge ordentllich aufbewahren

Dieses Sprichwort kennt wohl jeder von uns und besonders in Bezug auf einen nachhaltigen Lebensstil halte ich ein gewisses Mindestmaß an Ordnung für unverzichtbar.

Dass bei einer übersichtlichen Lebensmittelvorratshaltung weniger Lebensmittel verderben und Ressourcen geschont werden ist, wie ich glaube, unbestritten. Auch in der Kindererziehung finde ich Ordnung daher so wichtig.

In unserem Umfeld erlebe ich leider oft das Gegenteil – Spielzeug welches das ganze Jahr bei Wind und Wetter draußen liegt und von Woche zu Woche maroder wird, aufblasbare Schwimmtiere die sich regelmäßig um die Messer des Rasenmähers wickeln einfach weil sie niemand aufhebt, einzelne Schuhe im Vorgarten – die scheinbar niemand vermisst,…

Für die Kinder dieser Familie ist das normal. „Mäht Papa in das aufblasbare Krokodil das zwei Wochen in der Wiese lag, dann muss er eben ein neues kaufen. Wenn ich meinen zweiten blauen Schlapfen nicht finde, dann ziehe ich eben den roten an. – ich habe ohnehin so viele Schuhe, da kommt es auf das eine Paar mehr oder weniger doch nicht an.“ So in etwa lauten die Antworten auf meine erstaunten Fragen ob die Dinge nicht abgehen würden.

Diese Beobachtungen haben mich sehr nachdenklich gestimmt und mich zum Schreiben dieses Beitrages gebracht.

Ich möchte, dass unsere Kinder einen achtsamen Umgang mit ihrer Umwelt entwickeln. Daher ist es uns als Eltern ein großes Anliegen, Aufräumen und Ordnung halten nicht als Strafe oder als Übel zu vermitteln, sondern den Sinn des Zusammenräumens erlebbar zu machen.

In den ganz alltäglichen Situationen im Garten konnte unser zweijähriger Sohn das schon ganz gut begreifen. Er liebt sein Gartenwerkzeug und hilft uns damit wo er nur kann. Eines Tages weigerte er sich seine Schaufel an ihrem Platz aufzuhängen- am nächsten Tag konnte er sie nicht finden und musste todtraurig mit seiner kleinen Sandschaufel vorlieb nehmen. Seither wird sie selbstverständlich am Abend an ihren Nagel gehängt.

Die Erfahrung, dass Ordnung hilft sich zu orientieren und Dinge wieder zu finden, ist für mich essentiell.

Mir ist bewusst, dass es viele Definitionen und Ausprägungen von „Ordnung“ gibt. Jeder Mensch definiert die Grenzen zwischen Chaos und Ordnung wohl anders. Ich meine damit aber nicht Pedanterie, sondern jenes Mindestmaß an Struktur das mir garantiert, Dinge wieder zu finden und den Überblick zu bewahren.

Zur Erziehung zur „Ordentlichkeit“ gehört für uns als Familie auch die Tatsache, dass kaputte Dinge repariert werden. Mutwillig oder aus Unachtsamkeit ruinierte Sachen werden bei uns nicht umgehend ersetzt – Kinder dürfen und müssen auch den Verlust spüren und daraus lernen.Wenn ich mit meiner Schere den Wasserball zersteche, dann ist er kaputt und ich habe eben keinen Wasserball mehr!

Dabei Lernen sie auch, dass ihr Handeln Konsequenzen hat und sie diese auch selbst tragen müssen.

Außerdem bin ich überzeugt davon, dass Kinder, die in die Herstellung von Lebensmittel, Kleidung usw. eingebunden werden weit achtsamer mit ihnen umgehen! Wer Wochenlang die Karotten gegossen hat und sich über ihr Wachsen und Gedeihen gefreut hat, der wirft sie normalerweise nicht achtlos weg! Wer beim Kochen mithelfen darf, der schätzt die Speise mehr als wenn er sie fertig serviert bekommt. Wer selber die Knöpfe, Nähseidenfarbe, Stoffe zum Reparieren der Hose aussuchen durfte, der ist stolz darauf,… Achtsamkeit, Ordnung und Nachhaltigkeit gehören zusammen und ergeben sich bei einem nachhaltigen Lebensstil wohl auch oft von selbst. Zum Schluss noch ein kleiner Gedanke zum Thema der mich nicht ganz los lässt:

Chaos hat doch auch oft mit Überfluss zu tun. Wenn ich es nicht schaffe den Überblick über etwas zu wahren, etwas nicht „in Ordnung halten“ kann- sollte ich mich dann nicht vom „Zuviel“ trennen???

In diesem Sinne ordentliche Grüße von einer garantiert „ordnungsfimmelfreien“ Barbara

Kommentare

  • Irene Oberaigner

    12.06.2017, 9:55

    Danke Barbara, das ist ein „Tun-Schubser“ von dir!
    Irene

    Antworten
  • Katrin

    07.06.2017, 18:49

    Den Nagel auf den Kopf getroffen!! 😊

    Antworten

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