Du bist mir wichtig- ich nehme mir Zeit für dich!

Barbara Haslauer | 18.04.2016

Foto: © B. Haslauer
Verpackungsmüll

„Manchmal, hat ein nachhaltiger Lebensstil vielleicht auch etwas mit einer gewissen Entschleunigung oder zumindest mit bewussterem Handeln zu tun.“ So mein letzter Geistesblitz, als ich mir am Esstisch gemeinsam mit meinem Mann, die neuesten Postwurfsendungen durchsah. Von den verschiedensten Herstellern wurden kleine Plastiksäckchen mit Obstmus darin als gesunde Zwischenmahlzeit für Kinder angepriesen. Als Werbegeschenk bekam auch unser Sohn bereits ein solches Plastiksackerl in die Hand gedrückt.

Es ist doch wirklich eine herrlich praktische Erfindung der Nahrungsmittelindustrie: Von nun an können Babys ab 6 Monaten alleine, in der Babyschale am Rücksitz sitzend, ihre Obstmahlzeit aus dem bunten Plastik saugen, während die Eltern in Ruhe das Auto lenken. In mir stellen sich alle Haare auf, wenn ich länger darüber nachdenke!

Essen aus dem Sackerl

Essen aus dem Sackerl

 

Ganz schnell schrillen die „Plastikalarmglocken“ in meinem Kopf – Wie viele Weichmacher und Co. nehmen Babys dabei wohl zu sich, wenn sie ihren Brei direkt aus der Folie saugen?

Der nächste Punkt: Welche Werte, welche Esskultur bekommen Kinder damit von klein auf vermittelt? – Was gilt als „normal“?- Gemeinsame Mahlzeiten und Gespräche bei Tisch, oder doch „selbstständig“ mit sechs Monaten, alleine Brei aus einem Schraubgewinde zu saugen?

Wie schaut es mit den Kulturtechniken aus? Sollten Kinder nicht lernen Brei mit einem Löffel zu essen?

Die „selbstständige“ Art zu essen wäre in diesem Alter natürlicher Weise mit den Fingern zu essen – Unser Sohn liebte es damals gedünstete Apfel und Birnenspalten selber zu essen!- Aus dem Plastikschraubgewinde Brei zu saugen, ist wohl nicht sooo natürlich.

Und nicht zu letzt: Haben wir heute wirklich schon so wenig Zeit für unsere Kinder, dass wir es nicht mehr schaffen (gekauftes) Obstmus mit Ruhe mit einem Löffel zu füttern?

Welche Signale senden wir unseren Kindern damit?

Viele, viele Fragen schwirrten in meinem Kopf herum, während ich die Werbung mit den bunten Säckchen betrachtete.

Viel Müll

Viel Müll

 

Daher mein Appell: Du bist mir wichtig! –ich nehme mir Zeit für dich!

Wenn es schnell gehen muss, gibt es eine gekaufte Mahlzeit, aber gegessen wird mit möglichst viel Ruhe. Normalerweise koche ich das Essen für unsere Familie (und daher natürlich auch für unseren Sohn) selbst. So weiß ich, was Baby isst. –Ich bestimme die Zutaten und Zubereitungsart.
Selbstgekochtes ist in den meisten Fällen wesentlich günstiger (Ein Obstsackerl zu 100g kostet ca. 95 Cent ein Obstgläschen zu 190g kostet ca. 95 Cent und 800g selbstgekochtes Mus kommen ebenfalls auf ca. 95 Cent – je nach Obstsorte, Getreide,…)

Hier ein schnelles Obstbreirezept: (Zubereitungszeit ca. 10min.)

Babybrei selbst gemacht

Babybrei selbst gemacht

Das gewünschte Obst (Äpfel, Birnen, Beeren,…) putzen und schälen. In ca. 2 cm Wasser weich dünsten. Je nach Geschmack kann auch mit Zimt, Galgant,… gewürzt werden oder der Obstbrei mit Grieß oder Haferflocken, … gedünstet werden. Wenn das Obst weich ist, wird es mit einem Stabmixer püriert und in leere Schraubgläser gefüllt. Nach dem Abkühlen im Kühlschrank aufbewahren. Man kann ihn in leere Gläschen füllen und einfrieren, dann gibt es auch Kirschenmus im Winter. (Achtung, fürs Einfrieren nicht zu voll befüllen!!! ). Im Kühlschrank gut verschlossen gelagert, kann man das Mus auch problemlos einige Tage aufbewahren.

Noch eine Rezeptidee für die „Selberesser“ die aber noch nicht alleine löffeln können:

Das gewünschte Obst schälen und in handliche Stücke / Spalten schneiden. Anschließend in wenig Wasser weich dünsten. So können auch schon sehr junge Kinder alleine Äpfel und Co lutschen bzw. knabbern.

Weitere Breirezepte gibt’s auf www.wir-leben-nachhaltig.at.

P.S.: Meine Gedanken übers Sackerlessen sind natürlich meine ganz private Meinung. Und wie fast überall im Leben gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel 🙂 Wir kochen normalerweise selbst, aber manchmal gibt’s auch bei uns eine Packerlsuppe oder ein Gläschen fürs Baby. Vielleicht sogar irgendwann einmal ein Sackerl? – aus heutiger Sicht wohl eher nicht 😉

Obstmus im Glas - selbst gemacht

Obstmus im Glas – selbst gemacht

Ein Detail ist mir noch aufgefallen. Ich habe mir für diesen Artikel Mussackerl von 7 verschiedenen Herstellern genau angesehen. Pikanterweise schreibt einer davon auf sein Säckchen: „Fruchtpüree unter Aufsicht geben und zügig verzehren lassen, am besten vom Löffel“. Hmmmm, das Löffeln aus dem Sackerl stelle ich mir allerdings etwas kompliziert vor 🙂

Kommentare

  • Avatar

    Katrin Sch.

    22.05.2016, 18:20

    Wenn es nicht so praktisch wäre. Ich greife unterwegs sehr gerne auf ein Obstsackerl zurück, allerdings für die Zweijährige und nicht das Baby. Angenehm als „sicher ist sicher“ in der Tasche zu haben. Besser wäre die frische Banane/der Apfel auf alle Fälle!

    Antworten
    • Barbara Haslauer

      02.06.2016, 20:40

      Hallo Katrin! Der Alltag mit zwei kleinen Kindern ist sicher noch weit „enger“ als bei uns mit (noch) einem Kleinkind 😉
      Meine Überlegungen sollen auf keinen Fall als Angriff aufgenommen werden!
      LG Barbara

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