Share was?!

Sabine Schellander | 29.10.2015

„Share Economy“ und „Share Economy Konzepte“ sind zur Zeit in aller Munde. Überall sieht man neue Initiativen und Projekte aus dem Boden schießen, die sich mit dem „Teilen“ – meist von Konsumgütern – beschäftigen.

share economy @ Ur6anize Festival

share economy @ Ur6anize Festival

Laut Wikipedia (Stand Oktober 2015) bedeutet Share Economy folgendes:

Gebrauchsgüter werden nicht mehr nur gekauft und genutzt sondern gemeinsam gekauft oder gemeinsam benutzt oder verliehen (Sharing). …. Neue Plattformen ermöglichen beispielsweise auch die kollaborative Entwicklung von Produkten oder auch Projekten. Der Reiz an der Teilnahme ist, dass alle Kontributoren am Erfolg beteiligt werden können. Daneben haben sich Projekte wie das Küchensurfen oder Wohnzimmerkonzerte etabliert, die in erster Linie darauf ausgerichtet sind soziale Kontakte zu schaffen und Menschen im realen (Offline-) Leben zusammenzubringen.

Ich denke jeder, der ein wenig mit offenen Augen durch die Gegend läuft, ist schon über das ein oder andere Konzept im Rahmen von Share Economy gestoßen. Sei es beim gemeinsamen „Gartln“ oder im Rahmen einer Food-Koop.

Grundsätzlich halte ich sehr viel von diesen Ideen, Projekten und Initiativen. Das Schöne daran ist, das es oft ganz unterschiedliche Dinge sind, die unterschiedliche Reichweiten haben, unterschiedliche Zielgruppen ansprechen und auch unterschiedliche Produkte oder Dienstleistungen betreffen, damit Dinge des alltäglichen Lebens von einer anderen Seite beleuchten.

Dabei frage ich mich oft: „Warum funktionieren manche Initiativen sehr gut und manche so gar nicht?“

Das Wichtigste bei dieser Art von Projekten ist ein starker regionaler Fokus, sie müssen den Bedürfnissen der Menschen in deren Einzugsgebiet entsprechen oder zumindest neugierig machen. Lebensmittelkooperationen zum Beispiel haben einen unglaublichen Aufschwung erfahren oder auch Konzepte rund ums „Gartln & Ernährung“ (von Gemeinschaftsgärten über Urban Gardening bis zur solidarische Landwirtschaft) haben sich zu einem echten Trend entwickelt.

Dabei kommen unterschiedliche Motive der AkteurInnen zum Tragen, wie die einfache Freude daran etwas zu teilen, der echte Bedarf an Unterstützung und Gemeinschaft oder einfach auch der Widerstand gegen eine völlig konsumorientierte Gesellschaft, die kein Gefühl mehr dafür hat WOHER unsere Güter kommen und WAS es braucht sie zu produzieren. Im Grunde stärken viele das regionale Bewusstsein bzw. in der Stadt den Blick und den Bezug zu „seinem Grätzl“. Und natürlich steht und fällt es, wie so oft mit dem Engagement der BetreiberInnen und InitiatorInnen.

Wenn man sich dann noch ein wenig näher mit der Bandbreite an „Share Economy Initiativen“ beschäftigt, die von gemeinschaftlich organisierten Betrieben bis zu künstlerischem Aktionismus reichen, frag ich mich aber auch: „Sind wir schon reif fürs „Teilen“?“ Werden irgendwann wirklich Ideen wie „FAIRTeiler“ (Konzepte zur Weitergabe von bspw. Lebensmitteln oder Tagestickets für den Öffentlichen Verkehr) breit umgesetzt?

Ich denke grundsätzlich schon.

Aus diesem Grund habe ich mich selber hingesetzt und ein eigenes Projekt gestartet. Und zwar ein öffentliches Bücherregal für Kinder in Wien. Es entstand gemeinsam mit einer Volksschule und wurde Anfang Oktober eröffnet. Wir haben uns sehr bemüht und viel Zeit und Liebe in dieses kleine Projekt gesteckt. Jetzt können wir jeden Tag beobachten, welcher Dynamik das Bücherregal unterliegt und wie es Kinder, Eltern und AnrainerInnen nutzen und in wie weit es eine Überlebenschance hat. Quasi meine private Feldforschung zum Thema Share Economy.

ein öffentliches Bücherregal für Kinder

öffentliches Bücherregal für Kinder

In diesem Sinne finde ich, sollte jeder von uns, der ein Herz für nachhaltige Konzepte hat, ein Auge haben, auf all die zahlreichen Ideen und Projekte, die da so in seinem Umfeld entstehen, auch wenn diese oft nicht unter dem Schlagwort „Share Economy“ gelistet sind, sondern einfach nur die Motivation haben, anders zu sein und zu teilen.

Kommentare

  • Avatar

    Greta

    16.11.2015, 9:56

    Hallo, wo finde ich denn das Bücherregal?

    Antworten
    • Sabine Schellander

      16.11.2015, 12:41

      Liebe Greta,
      am Bischof Faber Platz, 1180 Wien, direkt vor der Volksschule.
      LG Sabine

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