Lasst das Pulver frei!

Natalie Oberhollenzer | 22.10.2015

Foto: Kaffeemaschine, © Winston, Fotolia.com

Kaffee in kleinen bunten Kapseln zu kaufen ist ein ausgemachter Blödsinn – aus ökologischer und auch aus ökonomischer Sicht.

Es ist eine essenziell wichtige Sache, eine Angelegenheit über die es sich stundenlang herumdiskutieren lässt – die Frage nach dem Kaffee und der Art der Zubereitung bei sich zu Hause. Ich für meinen Teil habe es in meiner Studentenzeit jahrelang gleich gehalten. Die Tasse mit voller heiß-dampfender Herrlichkeit kam ausschließlich aus der Mokka. Es war ein liebgewonnenes Ritual den Filter der Kanne jeden Morgen mit Pulver zu befüllen, das Gerät zusammenzuschrauben und auf die Gasflamme zu stellen. Dann das Brodeln wenige Minuten später – das Signal, der Kaffee ist fertig, schnell, noch Milch dazu, und dann, endlich, halte ich das wohlbekannte, geliebte, genau richtig warme, einfach unheimlich gute Gebräu in den Händen, das mir beim Wachwerden hillft.

Irgendwann wurde ich schließlich mit einem neuen Gerät beschenkt, das die komplette „Convenience“ versprach: eine Kapselmaschine. Zum Apparat dazu brachte mir der Schenker eine Menge schöner bunter, mit Pulver befüllter Aluhüllen. Er lobte die Großartigkeit der Erfindung, als er mit den Kapseln vor meiner Nase herumfuchtelte. Dann schob er eine davon in die Maschine, es machte ein kurzes Geräusch, als ob jemand ein riesiges frittiertes Insekt zerquetschen würde und schon kam der Kaffee surrenden Geräusches aus der Maschine. Ich war skeptisch. Das wars? Einfach auf ein Knöpfchen drücken, und fertig? Außerdem: Wir wissen ja alle, wieviel Müll diese Kapselmaschinen produzieren. Dann gings ans Probieren und ich musste zugeben, der Kaffee schmeckte wirklich gut (er war von der Marke, für die George Clooney durch die Werbefilmchen plänkelt).

Teils widerwillig, teils mit schlechtem Gewissen und teils mit einer Art kindlichen Freude, etwas zu tun, was man nicht sollte und was gerade darum so spaßig ist, trank ich, what else, einen Espresso nach dem anderen.

Irgendwann waren die Kapseln aus und ich frug mich: „Was nun?“

Erst einmal wollte ich das mit der Umweltbelastung genau wissen und begann im Netz zu recherchieren. Als ich einen Artikel einer deutschen Tageszeitung las, sträubten sich mir die Haare. An die 4.000 Tonnen Kapselmüll würde jedes Jahr in Deutschland angesammelt, stand da geschrieben. Allein der Marktführer sorgt auf der ganzen Welt für acht Millionen Tonnen Kapseln – und das aus Aluminium, einem Stoff dessen Verarbeitung extrem viel Energie verbraucht und der einer der am schwersten abbaubaren Verpackungsmaterialien überhaupt ist! Wobei, die Plastikdöschen der Konkurrenzkonzerne seien auch nicht besser, stand da geschrieben. Sie haben einen Aludeckel, und der Recyclingprozess ist wegen ihrer Mischform noch eine Spur umständlicher. Auch das von einer bestimmten Firma selbst angepriesene Wiederverwertungssystem wurde auf einigen Seiten kritisiert. Ist Augenauswischerei, weil machen die Wenigsten, hieß es da.

Eine Freundin, die sich in Konsumfragen immer ganz genau informiert rechnete mir noch vor, wie teuer das Kapselvergnügen eigentlich kommt. An die fünf Gramm Pulver stecken in jedem Kämmerchen, wobei eine um die 35 Cent kostet, wusste sie. Macht nach Adam Riese 70 Euro das Kilo. Sie sah mich mit weit aufgerissenen Augen an und wiederholte die Summe ganz langsam: „Siebzig Euro, stell dir das vor!“ Ein Wahnsinn, dachte ich, und mir wurde bewusst, was zu tun ist. Ich stellte das Gerät in eine Ecke im hintersten Küchenkastl und kramte die Bialetti wieder hervor, meine Grand Dame. Seitdem steht sie wieder ganz herrschaftlich auf meinem Herd herum – und ich freue mich wieder jeden Morgen auf mein kleines Kaffeemach-Ritual.

Kommentare

  • Luise Steininger

    20.11.2015, 11:11

    Kaffe soll gesund sein!? Eine Studie der renommierten US-Universität in Harvard behauptet Kaffeetrinker leben länger! http://oe3.orf.at/stories/2743006/

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    Gast

    28.10.2015, 13:42

    mein Tipp: http://www.cafe-libertad.de

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    Peter

    28.10.2015, 13:25

    Ich bin immer noch auf der Suche nach einem guten Fair Trade Biokaffee – freu mich über neue Geschmäcke!

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    Kaffeesudleser

    22.10.2015, 10:03

    Das mit den 70 euro pro Kilo Kaffee (für die Jungebliebenen 1000 Schillinge) hat mich auch umgehauen – steht aber in jedem Supermarkt als Kilopreis bei den div. Kapseln!
    Hier was zum lachen und nachdenken: https://www.youtube.com/watch?v=8pfD1lhKPMU

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      Christine

      22.10.2015, 19:51

      Der Goldene Engel ist wirklich ein Genuss und das Lied einfach genial!

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